Vergangene Veranstaltungen der Hochschulgruppe

Besuch der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) am 18. April 2019

Von Peter Stimmler

„Sehr viele und vielleicht die meisten Menschen müssen, 

um etwas zu finden, 
erst wissen, daß es da ist.“

Georg Christoph Lichtenberg

Artenkenntnis ist eine grundlegende Voraussetzung um unserer Umwelt schützen zu können. Als junge Biologen ist es uns wichtig, die Funktion und den Umgang mit wissenschaftlichen Sammlungen zu lernen. Hinter den Kulissen der öffentlichen Museen dienen Millionen von Exponaten als biologische Datenbank. Sie geben Auskunft über die Verbreitung und Häufigkeiten von Arten aus der ganzen Welt und dienen als Referenz, wenn neue Arten beschrieben werden. 

Die ZSM ist eine der größten zoologischen Sammlungen der Welt. Unser Gastgeber war Oliver Hawlitchek, der zum Zeitpunkt des Besuches ein Barcoding-Projekt leitete. Mit Hilfe dieser neuen Methode kann für jede Art ein genetischer Fingerabdruck erstellt werden. Wie mit einem Barcode können unbekannte Exemplare von Tieren und Pflanzen so eindeutig bestimmt werden. Zudem können die phylogenetischen Verwandschaftsverhältnisse klarer zugeordnet werden, als das bis jetzt mit morphologischen Eigenschaften möglich war. So können wissenschaftliche Sammlungen helfen, die Struktur der Arten klarer zu strukturieren.

 

04.09.2019: Exkursion an die obere Isar mit der Zoologischen Staatssammlung München

von Jakob Andreä

Am 04. September 2019 fand eine Exkursion an den Oberlauf der Isar zwischen dem Sylvensteinspeicher und Vorderriß statt. Ziel war es einige Individuen der Heuschrechen Chorthippus pullus (Kiesbank-Grashüpfer, Abb. 1), Tetrix tuerki (Türks Dornschrecke, Abb. 2), Bryodemella tuberculata (Gefleckte Schnarrschrecke, Abb. 3) und der Wolfsspinne Arctosa cinerea (Flussuferwolfsspinne, Abb. 2) zu fangen. Über die genetische Variabilität zwischen den Individuen aus verschiedenen Abschnitten der oberen Isar sollte ermittelt werden, wie gut die verschiedenen Populationen noch untereinander vernetzt sind. Die auf dieser Exkursion erhobenen Daten wurden für eine Vorstudie benötigt. 

Zunächst schien es unsicher, ob alle Arten in ausreichender Individuenzahl angetroffen werden würden. Bryodemella tuberculata war durch ihre Größe und die rote Färbung der Hinterflügel sehr auffällig und beinahe allgegenwärtig. Die anderen beiden Heuschreckenarten waren jedoch deutlich kleiner, farblich sehr gut an den Untergrund angepasst und dadurch kaum zu finden. Noch schwieriger war es bei Arctosa cinerea. Diese Art, welche mit einer Körperlänge von bis zu 17 mm als eine der größten Wolfsspinnenarten Mitteleuropas gilt, bewohnt selbstgegrabene Höhlen, die sie normalerweise nur nachts verlässt. Gleich zu Beginn konnten wir jedoch ein adultes Weibchen finden, welches sich außerhalb seiner Höhle aufhielt. Außerdem konnten wir ein weiteres Tier ausgraben, welches sich in seiner Wohnröhre aufhielt.

Alle genannten Arten sind an die extremen Bedingungen, welche entlang eines freifließenden Alpenflusses herrschen, angepasst und sogar darauf angewiesen. Durch die Regulierung der Flüsse verlieren sie vielerorts ihren Lebensraum und gelten daher als (stark) gefährdet. Neben den oben genannten Arten konnten als weitere Besonderheiten Pholidoptera aptera (Alpen-Strauchschrecke), Psophus stridulus (Rotflüglige Schnarrschrecke) und Myricaria germanica (Deutsche Tamariske) nachgewiesen werden.